Albrecht Schnider

Albrecht Schniders grossformatige Malerei "Il Sogno" und drei kleinformatige Arbeiten, zwei Landschaften und ein Blumen-Bild, haben die Jury mit ihrer farblich-formalen Konzentration, ihrer stilistischen Eigenständigkeit, ihrer malerischen Sicherheit und visionären Stärke beeindruckt. Die Mitglieder der Jury waren sich einig, dass diese Qualitäten die Vergabe eines Werkbeitrages an Albrecht Schnider beinahe zwingend nahelegten. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass vor allem das Bild "Il Sogno", als frag-würdig angesehen wurde und eine längere Diskussion ausgelöst hat. Das Bild stellt, auf einem Berg liegend, einen schlafenden jungen Mann dar, dessen Kopf auf einer Palette ruht und der in der linken Hand zwei Pinsel hält: einen Maler. In die Ferne und Tiefe des Hintergrundes erstreckt sich eine Berg- und Seenlandschaft. Besonders ist vor allem die farbliche und formale Einbindung des schlafenden Malers in die Landschaft. "Il Sogno" ist das Bild ungestörter Einheit mit der Erde, genauer dem Berg, auf dessen Höhe er ruht. Der Titel "Il Sogno", "der Traum" lässt sich so verstehen, dass ein träumender Maler gezeigt ist, aber auch so, dass der Traum des Malers selbst dargestellt ist. Die Darstellung einer vollkommenen Einheit des Malers mit der Landschaft, einer bruchlosen Erdverbundenheit aber erschien uns in hohem Masse fragwürdig. Wir haben uns gefragt, ob wir es nicht mit einem Bild mythischer Einheit von Mensch und Erde zu tun haben, welches in gegenaufklärerischer Weise die Problematik der heutigen "conditio humana" umgeht. Mit der Vergabe des Werkbeitrages an Albrecht Schnider ist daher der Wunsch verbunden, sie möge zu weiteren Diskussionen über seine Arbeit Anlass geben.