Giacomo Santiago Rogado

Giacomo Santiago Rogado

Giacomo Santiago Rogados Werkgruppe «Coalescence» besteht aus sechs Elementen, davon zwei Objekte, ein sehr grosses und drei kleinere Leinwandbilder. Sofort ins Auge fällt die mehrere Meter breite Leinwand aus der Serie von Fliessbildern, die Rogado seit einigen Jahren macht, indem er auf die mit Wasser getränkte Leinwand Farbflecken aufträgt, sodass die Farbe zerfliesst. Das Bild ist so im Raum platziert, dass es über die üblicherweise Bilder tragende Wand hinausragt und einen Teil eines Fensters überdeckt. Damit ist ein Teil der Rückseite von aussen sichtbar, und es scheint Licht durch das Bild. Zufall und Kontrolle gehen eine stete Wechselwirkung ein in Rogados Arbeit.

Während im grossen Fliessbild zunächst der Zufallsprozess des Zerfliessens in den Vordergrund tritt, ist bei den drei kleineren Leinwänden ein sehr kontrollierter, arbeitsreicher Prozess im Zentrum. Durch das Abtragen ausgeklügelter Farbschichten entstehen überaus plastisch wirkende Körper. Wo diese Bilder einen Raum ausstülpen, verschlucken die kleinen, spiegelnden Kugelobjekte den uns umgebenden Raum, und uns mit. Im Motiv der Sanduhr blitzt dort zudem ein klassisch allegorisches Motiv auf. Rogado verlässt sich ansonsten ganz auf die Kraft der Malerei, auf eine Unmittelbarkeit von körperlicher Wirkung. Seine kräftigen Bilder entspringen jedoch nicht einer Expressivität, sondern basieren auf strengen, konzeptuellen Prozessen, klar umgrenzten Experimenten mit dem Material innerhalb der Malereitradition.

Die Jury belohnt sein Schaffen, das von grosser Konstanz ebenso wie steter Erneuerung und Experimentierfreude geprägt ist. Nicht zuletzt ist sie von Rogados Sinn für grosse Gesten und präzise Setzungen beeindruckt.