Judith Röthlisberger

Raum wird weniger als etwas Gesehenes denn mehr als etwas Erlebtes und Gefühltes, weniger als ein Blickfeld, denn mehr als Erfahrungsraum vorgestellt. Die Unschärfe lässt keine präzisen Orte entstehen, sondern vermittelt das Gefühl, man würde sich in diesem Waldstück, über diese Wiese bewegen. Von Sehnsuchtslandschaften wurde innerhalb der Jury gesprochen, andere sahen eher etwas Gehetztes, durchaus auch eine hysterische und angstvolle Komponente darin. Die acht übereinander gestellten Fotografien erzählen keine (filmische) Geschichte, sondern treten als gleichberechtigte, frontal auf den Betrachter ausgerichtete Einzelwerke auf, wobei sich eine von links nach rechts zunehmende Auflösung ergibt. Die Jury liess sich von der Authentizität eines rauschhaften Naturgefühls überzeugen, das eine gelungene Umsetzung fand. Röthlisberger lässt uns teilnehmen an einer Art von Eingeweihtsein, sie vermittelt – so ein Jurymitglied – eine «Ahnung von einer Welt, die ich nicht kenne.»