Karin Gemperle und Stefan Wicki

Karin Gemperle und Stefan Wicki haben in einem Licht- und Luftraum der Galerie ITA eine Videoarbeit installiert. Videokameras fahren im hohen, weissen Schacht auf einem eigens konstruierten Lift hinauf und hinunter, filmen eigens an den Wänden angebrachte Fotografien und Stillleben und was ihnen sonst noch begegnet. Auf dem Boden des Schachtes sehen wir das Resultat in drei Monitoren. Die Jury sitzt auf dem Bänklein; sie spürt den hohen, kamingleichen Raum und sieht ihn vor sich auf drei Bildschirmen in unterschied-lichen Perspektiven: Der wirklichen Wahrnehmung 1:1, der Live-Performance, die die Kameras aufführen, den spielerisch dazwischen gestreuten «fremden Bilder» auf dem einen Videoband und schliesslich in der Perspektive, in der die Gestalterin und der Gestalter diese verschiedenen Teile zu einem Bild komponieren. Diese Arbeit zeigt virtuos eine Möglichkeit, Raum mit Video darzustellen und nicht einfach, wie das üblich ist, abzubilden. Und sie zeigt gleichermassen, wie Bilder, in einem Raum angebracht, mit dem Medium Video in neue Bilder verwandelt werden können. Und sie ist schliesslich eine packende, faszinierende, ja unterhaltsame Sehschule, die ohne Zeigfinger-Didaktik vorführt, dass die Welt nicht in jedem Fall so ist, wie wir meinen sie sei. Selbstredend ist das eine Arbeit, der die Beherrschung der technischen Produktionsmittel ebenso selbstverständlich ist, wie die künstlerisch-gestalterische Komposition von Installation, Dramaturgie und Bild. Die Jury lobt auch den Mut des Designerpaares, einen offenbar schon länger gehegten Plan an diesem Ort umzusetzen und sie zieht den Hut vor soviel Effort, Passion und Energie. Und schliesslich will sie den Beitrag auszeichnen, weil er eine Frage souverän mit einem Projekt beantwortet: Was ist angewandte Kunst? Es ist Kunst, die angewendet wird und also Denkund Sehmuster in uns verändert, auf dass festgefahrene Ideen und Bilder sich bewegen.