Karin Lustenberger

Karin Lustenberger

Karin Lustenbergers eigens entstandene Arbeit «Gerade, eben, diagonal» steht in der Tradition von Closed Circuit Videoinstallationen. Wir treten vor eine Kamera und sehen unser Abbild live in einer Projektion. Das projizierte Bild dreht sich in unregelmässigem, undurchschaubarem Rhythmus um die eigene Achse, bleibt manchmal stehen, stellt uns auf den Kopf. Als drittes Element kommt eine Art Propeller hinzu, der sich in einem anderen Rhythmus als die Projektion dreht. Der Propeller wird ebenfalls von der Kamera erfasst, aber nie vollständig sichtbar. Installation ist zunächst ein ausgeklügeltes, am Computer komponiertes Spiel von Bewegung und Gegenbewegung. Der Propeller ist jedoch mit Schweizer Geldscheinen beklebt, die so gefaltet sind, dass die Gesichter der Kulturschaffenden zu sehen sind, die diese Banknoten-Serie zieren. Lustenberger nennt ihre Installation im Untertitel eine «Live-Projektion mit bewegten Werten» – mit aller Vieldeutigkeit des Wortes «Wert». Ein Kauf mit Bargeld geht einher mit einer physischen Transaktion: Geldschein gegen Ware, Blick ins Gesicht des Handelspartners. Sie ist paradoxerweise trotzdem anonymer als die immer verbreitetere bargeldlose Bezahlung, mit der wir nachverfolgbare Spuren hinterlassen.

Die Jury zeichnet eine Arbeit aus, die irritiert und zum Denken anregt. Hier werden Ansichten auf den Kopf gestellt, Geld wird zweckentfremdet, und die monetäre Investition der Künstlerin in ihrer Arbeit nachzählbar sichtbar, und zwar im Rahmen einer Ausstellung, in der es um Werkbeiträge in Form von Geld geht.

Die Jury würdigt die Risikobereitschaft der Künstlerin hinsichtlich des gewählten Mediums und des sperrigen Themas, das sie auf eine Weise verhandelt, die Fragen aufwirft, ohne die Antworten mitzuliefern, und uns und unsere Ansichten buchstäblich selbst ins Spiel bringt.