Mathis Pfäffli

«Mein Onkel, der alte Missionar und der Schatz im chinesischen Kloster»

«Mein Onkel, der alte Missionar und der Schatz im chinesischen Kloster»

Am Beginn von Mathis Pfäfflis Rechercheprojekt steht eine Schatzkarte und eine wunderbare Geschichte, die drei Kontinente, drei Zeitabschnitte des 20. Jahrhunderts und die drei Metathemen Kolonialismus, Kommunismus und die Schatzsuche als solche verbindet.

Pfäfflis Onkel Richard arbeitet Ende der 1980er Jahre im Rahmen eines Entwicklungsprojektes als Schreinermeister in Chochís in Bolivien. Unter dem Schweizer Architekten Hans Roth ist er am Bau einer Gedenkkirche beteiligt. Er lernt den zuständigen Priester der Kirche kennen und wird sein Vertrauter. Dieser war in den 1960er Jahren in einer Missionsstation in der chinesischen Stadt Yongzhou, Provinz Hunan, stationiert. Während der Wirren und Verfolgungen in der Kulturrevolution erhielt er von den Ordensoberen den Auftrag, das Vermögen der Mission zu vergraben. Zum Schutz seiner Mitbrüder war nur ihm der Ort des Schatzes bekannt. Kurz vor seinem Tod erzählt der Missionar Pfäfflis Onkel von dem vergrabenen Schatz und übergibt ihm Landkarten und Notizen. Onkel Richard reist nach seinem Aufenthalt in Bolivien nach China und sucht nach dem Schatz – ohne ihn zu finden.

Mathis Pfäffli wird für seine Recherche die Schauplätze dieser Geschichte bereisen, Materialien und Quellen sammeln, Zeitzeugen befragen und Videoporträts aufnehmen.

Die Jury ist davon überzeugt, wie Mathis Pfäffli die Erzählung der Schatzsuche in ein performativ-installatives Kunstprojekt übersetzen möchte. Dafür wird der Künstler neue Räume bespielen, die nicht eindeutig kunst-konnotiert sind, und eine Form finden, in der sich Performance, Dokumentarfilm, Theater und mündliche Geschichtenerzählung verbinden. Im Zentrum steht die Suche nach Formen und verschiedenen Strategien, eine Geschichte mit künstlerischen Mitteln so zu erzählen, dass sie vom individuell Erlebten zu den Metaebenen vordringt. Die Zuschauenden sollen so ihre eigenen Geschichten wiederfinden und neu erleben.

Beim Motiv der Schatzsuche geht es eigentlich nie ums Finden, sondern immer ums Suchen. Die Jury ist überzeugt, dass Mathis Pfäffli für diese Suche neue, überraschende und eindrückliche Erzählformen finden wird.