Sabin Tünschel

Auch bei Sabin Tünschel spielt das Eingeweihtsein eine Rolle. Die Arbeit, die noch formale Unentschiedenheiten aufweist, hat die Jury dennoch zu überzeugen vermocht, weil sie eine eigenständige und beunruhigend unauflösbare Stimmung schafft. Ein grosses Stück Stoff hängt im rechten Winkel von oben bis weit auf den Fussboden herab. Darauf ist etwas unscharf eine fotografierte Landschaft mit viel Acker zu sehen. Oben und unten wird das Erdreich von Himmel umfangen, als hätte man es mit einem Ausschnitt der Weltkugel zu tun. Hinter der Stoffbahn befindet sich ein Monitor, auf dessen Mattscheibe – wie im Acker versenkt – Bilder von einem Hüttenbau gezeigt werden. Eine Gruppe annähernd gleichaltriger Leute baut vor einem hinteren ein vorderes Haus auf. Dazu wird eine störende Geräuschkulisse gesendet, die aus Auto- und Flugzeuglärm und dem Hammerklopfen der Bauleute besteht. Das Ganze strahlt eine freudlose, nicht spielerische, nicht heitere, sondern bei aller Aktivität fast passive, oder zumindest sehr gedämpfte Stimmung aus. «wir haben in unserem Garten zu bauen» lautet der seltsame Titel, als müsste hier eine undefinierbare Wir-Gruppe einer Pflicht nachkommen, die fast biblische Akzente bekommt. Der Garten scheint obendrein eher ein Acker, den man bestellt, zu sein. Das normalerweise eher mit einem Bastelgestus und Heiterkeit assoziierte Hüttenbauen wird hier zu einem bedeutungsträchtigen, von irgendeinem höheren Gesetz vorbestimmten Ritual umfunktioniert. Die Jury anerkennt die eigenwillige, ein grosses Potential eröffnende Problemstellung und hofft auf eine noch dezidiertere Umsetzung.