Stephan Wicki und Stefan Bischoff

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Eines der bekanntesten Schweizer Theaterstücke aus dem Jahr 1956 wird ins Jahr 2029 katapultiert. Aus «Claire Zachanassian» wird «Mister F», aus der Kleinstadt «Güllen» wird ein ausrangierter Rummelplatz. In einer gespenstisch, staubgeschwängerten Szenerie zwischen verrostenden Riesenrädern und einstürzenden Schiessbuden erzählen die beiden Autoren und Regisseure Stephan Wicki und Stefan Bischoff mit bloss vier Figuren in 15 Minuten eine Parabel über die Käuflichkeit, für die Dürrenmatt noch drei abendfüllende Akte benötigt hat.

Die erste Verfilmung von «Der Besuch der alten Dame» erzielte 1959 in der ARD einen Marktanteil von 81%. Wir wünschen «Pappkameraden» – wo immer dieser hochinteressante Kurzfilm auch ausgewertet werden mag – denselben überragenden Erfolg.

Synopsis

Auf einem verlassenen Rummelplatz, im Niemandsland zwischen Grossstadt und Atomkraftwerk, hoffen drei Schiessbudenbesitzer noch immer auf Kundschaft. Es sind dies der coole Tom mit seinem Luftgewehrstand, der bodenständige Henk, bei dem mit Bällen auf Büchsenpyramiden geschossen wird und die verträumte Schönheit Ewa. Bei ihr gilt es, mit Dartpfeilen bunte Ballone zu treffen. Tapfer halten die drei ihre Stände offen, während der Wind um sie herum das melancholisches Lied des Zerfalls säuselt. Da taucht der geheimnisvolle Mister F. auf und bietet ihnen eine Perspektive: Ein Wettbewerb zur weltweiten Vermarktung des attraktivsten Schiessstands. Only the best will win! Er gewährt auch gleich die nötigen Kredite und verspricht, bald zurück zu sein. Runde für Runde gestalten die Budenbesitzer in der Folge immer grössere und immer wahnsinnigere Schiessbuden. Das Wettrüsten eskaliert, bis sie förmlich auf Pulverfässern sitzen. Da zieht ein wunderschöner Schmetterling seine Runden über den Rummelplatz. Sein Flügelschlag löst eine infernale Kettenreaktion aus, an deren Ende der Kühlturm des AKWs alles überrollt und sämtliches Leben unter sich begräbt, auch dasjenige unserer Protagonisten. Mister F. kehrt zurück und reibt sich zufrieden die Hände, denn sein Bestattungsunternehmen «Funeral Inc.» floriert – im wahrsten Sinn des Wortes – gewaltig.