Urs Fischer

Urs Fischer hat 1980 die Schule für experimentelle Gestaltung F + F in Zürich besucht. 1981 ist er durch Nordamerika und Mexiko gereist. Nach seiner Rückkehr nach Luzern arbeitete Urs Fischer zeitweise als Gestalter. Seit 1989 widmet er sich ausschliesslich seiner künstlerischen Arbeit.

Urs Fischers Oeuvre lässt sich nicht auf die oftmals grossformatigen Tuschzeichnungen reduzieren, mit denen er in jüngster Zeit in mehreren Ausstellungen vertreten gewesen ist. Parallel dazu ist seit Mitte der achtziger Jahre ein komplexes, von einer offenen, experimentellen Grundhaltung geprägtes Werk entstanden, das jedoch der Oeffentlichkeit bis anhin nur ansatzweise bekannt ist: Urs Fischer stellt Untersuchungen über das Wirkungspotential von Farbe an, er arbeitet an kleinformatigen Zeichnungs-Zyklen, die von einer grossen Sensibilität für Farben und Formen zeugen, er fotografiert, er arbeitet zusammen mit einem Künstlerfreund im Medium Performance und veröffentlichte 1985 die Publikation "67 veri di segni".

Urs Fischer überzeugte die Jury mit einer neuen Werkgruppe, die er in strenger serieller Anordnung im Ausstellungsraum der Panorama-Liegenschaft angebracht hatte. Es handelt sich dabei um sechs gleichgrosse, hochrechteckige Leinwände mittleren Formats. Auf diesen neutralen Bildträger hat Urs Fischer jeweils ein unregelmässig zugeschnittenes Papier appliziert, so dass Bildträger und Bildfläche nicht deckungsgleich sind. Der minimale helle Streifen, der sich dadurch am Rande der auf Chassis aufgespannten Leinwand abzeichnet, funktioniert wie ein Rahmen . Die Papierbogen hat der Künstler vor ihrer Applikation auf den Bildträger mit Tusche eingefärbt. Je nach Lichteinfall wird deutlich, dass es sich dabei nicht um eine tiefschwarze monochrome Fläche handelt. Der Schwamm, mit dem Urs Fischer die Tusche aufträgt, hinterlässt feine Spuren. Diese Unregelmässigkeiten im "Farbauftrag" generieren minimale Helldunkel-Nuancen, die hohe Anforderungen an die Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit des Betrachters stellen .

Die Jury beeindruckte die Konsequenz, mit der Urs Fischer auf seinen zur meditativen Betrachtung einladenden Bildtafeln die Grenze zwischen Lichtund Dunkelheit, zwischen Noch-Vorhanden-Sein von Etwas und Abwesenheit von Erinnerungen an die Erfahrungswirklichkeit auslotet.